Videoarbeiten / Langzeit- /Performance

Die Dinge entscheiden, 2026

Gemeinschaftsarbeit: Sissi-Madelaine Schöllhuber & Anette C. Halm

Video: 12:13 min

Gegenstände aus einem Familiennachlass werden neu betrachtet. Ausgewählte Dinge werden an die nächste Generation weitergegeben. Die Objekte werden angenommen, zurückgegeben, archiviert oder entsorgt.

Die Arbeit thematisiert den Umgang mit hinterlassenen Dingen als Teil familiärer Erinnerung und transgenerationaler Weitergabe. Alltagsobjekte erscheinen dabei als Träger von Erinnerung, Verlust und biografischer Einschreibung.

The Fe-Male Gaze, 2023

Video: 7:25 min

Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Kulturgeschichte des Eisessens, die Sissi-Madelaine Schöllhuber mit Fragen nach Sexualisierung, Blickregimen und gesellschaftlicher Moral verbindet. Die Arbeit spielt ironisch mit der Vorstellung, dass bereits das Lecken eines Eises als anstößig gelesen werden kann, und legt dadurch Mechanismen gesellschaftlicher Zuschreibung offen.

Die historische Referenz auf das Pariser Café Le Procope verweist auf Francesco Procopio dei Coltelli, den italienischen Gründer des Cafés, der im 17. Jahrhundert als einer der ersten Speiseeis nach Paris brachte und populär machte. Heute befindet sich dort der letzte Brief von Marie Antoinette, den sie am Tag ihrer Hinrichtung schrieb. Ob sie jemals Eis aus einer Waffel aß, bleibt offen, ebenso die Frage, ob dies damals bereits als obszön gegolten hätte.

Money-Musen-Song, 2021 -2023

Video: 2:19 min

Mit einem Hut in der Hand laufe ich vor der Kreissparkasse Nürtingen auf der Straße auf und ab und währenddessen sammle ich Geld. Damit sich mein selbst komponiertes Lied einprägt, singe ich es immer wieder in Schleife. Die Vorbeilaufenden werden zum Spenden aufgerufen und auch zum Mitsingen animiert.

Die Performances führe ich auch in Böblingen vor der Kreissparkasse auf.

Trailer Böblingen:

Video: 1:22 min

Casanova‘s Swimmingpool, 2021

Video: 5:21 min

Die Videoarbeit verbindet persönliche Erfahrungen mit einer allgemein verständlichen Bildsprache über Sehnsucht, Verlust und unerfüllte Liebe. Ausgangspunkt ist der Liebesschmerz als universelle Erfahrung, die sich zwischen Intimität, Projektion und emotionaler Verletzlichkeit bewegt. Der gesungene Text basiert auf autobiografischen Momenten, bleibt jedoch offen genug, um sich auf unterschiedliche Erfahrungen von Liebe und Verlust übertragen zu lassen.

Der Swimmingpool wird dabei zum Bildraum emotionaler Übersteigerung. Er steht sinnbildlich für die Tränen und die emotionale Tiefe unerfüllter Liebe, zugleich aber auch für einen künstlichen, beinahe surrealen Ort zwischen Realität und Inszenierung. Der Flamingo fungiert als Symbol romantischer Projektion und erscheint als Bote der Liebe, der zwischen Kitsch, Popästhetik und Melancholie oszilliert.

Verschwörung, 2021

Video: 8:00 min

Die Performance entsteht im Kontext der Corona-Pandemie und dokumentiert einen Gang durch den öffentlichen Raum während der Demonstration am 20. Dezember 2020 in Stuttgart. Ausgangspunkt ist die Bewegung gegen den Strom der Menschenmenge: Vom Beginn der Demonstration in der Königstraße bis zum Staatstheater bewegt sich die Künstlerin entgegen der Laufrichtung der Demonstrierenden. Die Arbeit verdichtet dadurch körperlich erfahrbare Spannungen zwischen Individuum und Masse, Nähe und Distanz sowie persönlicher Haltung und kollektivem Auftreten.

Der Weg durch die Demonstration wird zur performativen Handlung im öffentlichen Raum. Die Bewegung gegen die Menge erzeugt Reibung, Irritation und Sichtbarkeit. Gleichzeitig verweist die räumliche Nähe zum Landtag auf die politische Dimension der Pandemie und die gesellschaftlichen Konflikte, die sich während dieser Zeit im Stadtraum manifestierten.

Bewegte Gesellschaft

Video: 16:06 min

Bewegte Gesellschaft ist eine 24-stündige Performance, in der fortlaufend Verschwörungstheorien gesprochen und unterschiedliche Masken gewechselt werden. Die Masken erscheinen als instabile Identitäten zwischen Mensch, Tier, Maschine und anonymem Gesicht. Zu sehen ist ein Ausschnitt der Langzeitperformance.
Die Arbeit untersucht Mechanismen kollektiver Projektion, medialer Überreizung und gesellschaftlicher Verunsicherung. Durch sprachliche Wiederholung und die fortlaufende Transformation des Gesichts entsteht ein Zustand zwischen Ritual, Überforderung und Inszenierung. Die Masken fungieren dabei als Projektionsflächen gesellschaftlicher Ängste und kollektiver Imaginationen.

Vergesst nicht, ihr liebt sie! 2021
Video: 3:02 

Ausschnitt aus einer Performance: Villa Schöningen, Potsdam Germany.

Vergesst nicht, ihr liebt sie!

Menschen durch Gesang zusammenzubringen und eine Vereinigung – passend zum Ausstellungsthema  „Versammlungsfreiheit“ der Villa Schöningen zu bilden, ist Kernthema dieser Arbeit. 

Über die Dauer von 3 Stunden, singe ich einen eigens komponierten Protestsong von 3 Minuten und animiere durch offensives Verteilen des Liedtextes zum Mitsingen.

wo*man work, 2021

Video: 8:00 min

Die Performance ist eine Hommage an Greta Domnick und rückt ihre zentrale Rolle innerhalb des gemeinsamen Wirkens mit Ottomar Domnick in den Fokus. Ausgangspunkt ist die Frage nach unsichtbarer oder übersehener Mitautorenschaft hinter künstlerischen, wissenschaftlichen und kulturellen Erfolgen. Aus der vermeintlichen „one man work“ wird eine „wo*man work“, die sichtbar macht, dass Sammlung, Klinik, Film und kulturelles Engagement aus einer engen partnerschaftlichen Zusammenarbeit hervorgingen.

Gefallen

Video: 5:30 min

In der Performance steht die Künstlerin in einem Bikini mit neutralem, beinahe regungslosem Blick vor dem Gebäude der Samariterstiftung. Passantinnen und Passanten schreiben mit Edding Worte und Zuschreibungen direkt auf ihren Körper. Anschließend werden die Spuren von der Mutter der Künstlerin wieder abgewaschen.

Die Handlung verweist auf gesellschaftliche Projektionen, moralische Einschreibungen und die Kontrolle weiblicher Körper. Zugleich thematisiert die Arbeit familiäre Rollenbilder, Fürsorge und die Weitergabe gesellschaftlicher Normen über Generationen hinweg.

Ausgangspunkt der Arbeit ist Schwester Friederike Stock, die über Jahrzehnte das damalige Zufluchtshaus leitete, aus dem später das Friederikenheim und der heutige Standort der Samariterstiftung hervorgingen. Sie unterstützte sogenannte „gefallene Mädchen“ in einer Zeit ohne Zugang zu Verhütung oder legaler Abtreibung. Die Performance verbindet historische Erinnerung mit einer künstlerischen Reflexion über Scham, gesellschaftliche Normierung und die Sichtbarkeit weiblicher Identität im öffentlichen Raum.

Stockholm-Syndrom 1637, 2021
Video: 4:19 min


Die schöne 19-jährige Tochter Elisabetha Brenner des Nürtinger Spitalmeisters wurde im 30-jährigen Krieg von einem kroatischen Soldaten entführt. Sie heiratete ihn und kehrte später mit ihm zurück. Sie gehörten zu den einflussreichsten Bürger*innen im Herzogtum Württemberg. 
Eine Performance unter dem Torbogen des Kroatenhofs lässt in Form eines Tanzes mit Krawatte (Cravate ist die Bedeutung kroatischer Soldaten) diese Verbindung wiederaufleben. Die Arbeit verhandelt die künstlerische Reflexion über Scham, gesellschaftliche Normierung und die Sichtbarkeit weiblicher Identität im öffentlichen Raum.

Tutorial D014, 2020

Video: 4:13 min, ohne Ton

In Tutorial D 014 setzt sich Sissi-Madelaine Schöllhuber mit Schönheitsbildern und der Inszenierung von Identität auseinander. Direkt vor der Kamera trägt die Künstlerin Lippenstift auf, bis das Gesicht zunehmend überzeichnet und verfremdet erscheint. Was zunächst wie ein Beauty-Tutorial wirkt, kippt allmählich ins Groteske und hinterfragt gesellschaftliche Erwartungen an Weiblichkeit und Schönheit.

Seelschminken, 2020

Video: 36:29 min

Schöllhuber schminkt sich in Anlehnung an idealisierte Schminktutorials und überschreibt dabei jede natürliche Unvollkommenheit zugunsten einer konstruierten Perfektion, die sich trotz ihrer Inszenierung niemals als ausreichend erweist. Daraus erwachsen neue fragwürdige Schönheitsideale, deren Ursprung weniger im Äußeren als in tief verankerten psychologischen Mechanismen liegt.

Was wird tatsächlich zu verbergen versucht, wenn das Gesicht zur einzigen sichtbaren Projektionsfläche dessen wird, was in den Tiefen des Inneren erwächst?

Death of a candle, 2020

Video: 3:26 min

Hommage an Gerhard Richter