Sn(e)ake Gaze, 2026
Video: 1:31 min, Ton
Ausgangspunkt der Arbeit sind Fotografien, in denen Zahnpasta am Mund immer neue Formen bildet. Die Bilder spielen mit Assoziationen und den Bedeutungen, die ihnen zugeschrieben werden. Zwischen Mund, Auge und organischen Strukturen entstehen Bildräume, die unterschiedliche Lesarten eröffnen.
Die Animation verweist auf die frühen Monitorinstallationen von Nam June Paik. Die Bildschirme fungieren als Spiegel und lenken den Blick auf die Frage, wie Wahrnehmung, Projektion und Begehren unsere Sicht auf Bilder prägen.

Einreiben, 2026
Video: 4:04 min, ohne Ton
In der Videoarbeit Einreiben wird das Gesicht der Künstlerin schrittweise mit einer dunklen, glänzenden Substanz bedeckt. Die Handlung erinnert zugleich an Pflege, Ritual und Maskierung. Während das Material aufgetragen wird, beginnt das Gesicht seine Konturen zu verlieren und verwandelt sich in eine fremde Oberfläche zwischen Haut, Maske und Skulptur. Die Arbeit bewegt sich zwischen gegensätzlichen Polen: Sichtbarkeit und Verschwinden, Schönheit und Überdeckung, Selbstgestaltung und Fremdformung. Die dunkle Substanz kann als Erde, Blut, Farbe oder kosmetische Maske gelesen werden und verweist auf gesellschaftliche Zuschreibungen, kulturelle Normen sowie Prozesse der Identitätsbildung. Das Einreiben wird so zu einer Metapher für die Spuren, die Erfahrungen, Erwartungen und soziale Rollen auf dem Körper und im Selbst hinterlassen.

Die Dinge entscheiden, 2026
Gemeinschaftsarbeit: Sissi-Madelaine Schöllhuber & Anette C. Halm
Video: 12:13 min
Gegenstände aus einem Familiennachlass werden neu betrachtet. Ausgewählte Dinge werden an die nächste Generation weitergegeben. Die Objekte werden angenommen, zurückgegeben, archiviert oder entsorgt.
Die Arbeit thematisiert den Umgang mit hinterlassenen Dingen als Teil familiärer Erinnerung und transgenerationaler Weitergabe. Alltagsobjekte erscheinen dabei als Träger von Erinnerung, Verlust und biografischen Einschreibungen. Der Prozess des Auswählens, Bewahrens oder Loslassens macht sichtbar, wie eng materielle Dinge mit persönlichen und familiären Geschichten verbunden sind.

The Fe-Male Gaze, 2023
Video: 7:25 min
Ausgangspunkt dieser Arbeit ist die Kulturgeschichte des Eisessens, die Sissi-Madelaine Schöllhuber mit Fragen nach Sexualisierung, Blickregimen und gesellschaftlicher Moral verbindet. Die Arbeit spielt ironisch mit der Vorstellung, dass bereits das Lecken eines Eises als anstößig gelesen werden kann, und legt dadurch Mechanismen gesellschaftlicher Zuschreibung offen.
Die historische Referenz auf das Pariser Café Le Procope verweist auf Francesco Procopio dei Coltelli, den italienischen Gründer des Cafés, der im 17. Jahrhundert Speiseeis in Paris populär machte. Heute befindet sich dort der letzte Brief von Marie Antoinette, den sie am Tag ihrer Hinrichtung schrieb. Ob sie jemals ein Eis aus der Waffel aß, bleibt ebenso offen wie die Frage, ob dies damals bereits als obszön gegolten hätte.

Money-Musen-Song, 2021 -2023
Video: 2:19 min
Der Money-Musen-Song verbindet Performance, Musik und direkte Interaktion im öffentlichen Raum. Mit einem Hut in der Hand bewegt sich die Künstlerin vor einer Bankfiliale durch den Stadtraum, sammelt Spenden und singt einen eigens komponierten Song in fortlaufender Wiederholung.
Im Zentrum steht die Figur der Muse, die im Liedtext als Quelle von Inspiration, Kreativität und künstlerischer Schaffenskraft erscheint. Das wiederkehrende Motiv „Schenke Gold für die Muse“ verbindet auf ironische Weise die Vorstellung künstlerischer Eingebung mit ökonomischer Abhängigkeit. Passantinnen und Passanten werden zum Spenden und Mitsingen eingeladen und damit Teil einer Performance, die zwischen Humor, Selbstinszenierung und einer Reflexion über die materiellen Bedingungen künstlerischer Arbeit oszilliert.
Casanova‘s Swimmingpool, 2021
Video: 5:21 min
Die Videoarbeit verbindet persönliche Erfahrungen mit einer allgemein verständlichen Bildsprache über Sehnsucht, Verlust und unerfüllte Liebe. Ausgangspunkt ist Liebesschmerz als universelle Erfahrung, die sich zwischen Intimität, Projektion und emotionaler Verletzlichkeit bewegt. Der gesungene Text basiert auf autobiografischen Momenten, bleibt jedoch offen genug, um unterschiedliche Erfahrungen von Liebe und Verlust anzusprechen.
Der Swimmingpool wird dabei zum Bildraum emotionaler Übersteigerung. Er steht sinnbildlich für Tränen und die emotionale Tiefe unerfüllter Liebe, zugleich aber auch für einen künstlichen, beinahe surrealen Ort zwischen Realität und Inszenierung. Der Flamingo fungiert als Symbol romantischer Projektion und erscheint als Bote der Liebe, der zwischen Kitsch, Popästhetik und Melancholie oszilliert.

Verschwörung, 2021
Video: 8:00 min
Die Performance entstand im Kontext der Corona-Pandemie und dokumentiert einen Gang durch den öffentlichen Raum während einer Demonstration am 20. Dezember 2020 in Stuttgart. Ausgangspunkt ist die Bewegung gegen den Strom der Menschenmenge: Von der Königstraße bis zum Staatstheater bewegt sich die Künstlerin entgegen der Laufrichtung der Demonstrierenden. Die Arbeit verdichtet dadurch körperlich erfahrbare Spannungen zwischen Individuum und Masse, Nähe und Distanz sowie persönlicher Haltung und kollektivem Auftreten.
Der Weg durch die Demonstration wird zur performativen Handlung im öffentlichen Raum. Die Bewegung gegen die Menge erzeugt Reibung, Irritation und Sichtbarkeit. Zugleich verweist die räumliche Nähe zum Landtag auf die politische Dimension der Pandemie und die gesellschaftlichen Konflikte, die sich während dieser Zeit im Stadtraum manifestierten.

Bewegte Gesellschaft
Video: 16:06 min
Bewegte Gesellschaft ist eine 24-stündige Performance, in der fortlaufend Verschwörungstheorien gesprochen und unterschiedliche Masken gewechselt werden. Die Masken erscheinen als instabile Identitäten zwischen Mensch, Tier, Maschine und anonymem Gesicht. Zu sehen ist ein Ausschnitt der Langzeitperformance.
Die Arbeit untersucht Mechanismen kollektiver Projektion, medialer Überreizung und gesellschaftlicher Verunsicherung. Durch sprachliche Wiederholung und die fortlaufende Transformation des Gesichts entsteht ein Zustand zwischen Ritual, Überforderung und Inszenierung. Die Masken fungieren dabei als Projektionsflächen gesellschaftlicher Ängste, Wünsche und kollektiver Imaginationen.

Vergesst nicht, ihr liebt sie! 2021
Video: 3:02
Ausschnitt aus einer Performance: Villa Schöningen, Potsdam Germany.
Vergesst nicht, ihr liebt sie!
Menschen durch Gesang zusammenzubringen und eine Vereinigung – passend zum Ausstellungsthema „Versammlungsfreiheit“ der Villa Schöningen zu bilden, ist Kernthema dieser Arbeit.
Über die Dauer von 3 Stunden, singe ich einen eigens komponierten Protestsong von 3 Minuten und animiere durch offensives Verteilen des Liedtextes zum Mitsingen.

wo*man work, 2021
Video: 8:00 min
Die Performance ist eine Hommage an Greta Domnick und rückt ihre zentrale Rolle innerhalb des gemeinsamen Wirkens mit Ottomar Domnick in den Fokus. Ausgangspunkt ist die Frage nach den oft unsichtbaren Beiträgen, die hinter kulturellen, wissenschaftlichen und künstlerischen Leistungen stehen. Aus der vermeintlichen „one man work“ wird eine „wo*man work“, die auf die enge Zusammenarbeit der Domnicks verweist.
Die Arbeit greift biografische Aspekte aus dem Leben von Greta und Ottomar Domnick auf. Sie erinnert an Greta Domnicks Rolle als Gastgeberin, an ihre Mitarbeit an den Filmen als Darstellerin, Kamerafrau und Cutterin sowie an die partnerschaftliche Zusammenarbeit, aus der Sammlung, Filmwerk und kulturelles Engagement hervorgingen. Die Performance macht sichtbar, dass das Wirken der Domnicks nicht das Ergebnis individueller Autorschaft war, sondern einer gemeinsamen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft.

Gefallen
Video: 5:30 min
In der Performance steht die Künstlerin in einem Bikini mit neutralem, beinahe regungslosem Blick vor dem Gebäude der Samariterstiftung. Passantinnen und Passanten schreiben mit Edding Worte und Zuschreibungen direkt auf ihren Körper. Anschließend werden die Spuren von der Mutter der Künstlerin wieder abgewaschen.
Die Handlung verweist auf gesellschaftliche Projektionen, moralische Einschreibungen und die Kontrolle weiblicher Körper. Zugleich thematisiert die Arbeit familiäre Rollenbilder, Fürsorge und die Weitergabe gesellschaftlicher Normen über Generationen hinweg.
Ausgangspunkt der Arbeit ist Schwester Friederike Stock, die über Jahrzehnte das damalige Zufluchtshaus leitete, aus dem später das Friederikenheim und der heutige Standort der Samariterstiftung hervorgingen. Sie unterstützte sogenannte „gefallene Mädchen“ in einer Zeit ohne Zugang zu Verhütung oder legaler Abtreibung. Die Performance verbindet diese historische Referenz mit einer Reflexion über Scham, gesellschaftliche Normierung und die Sichtbarkeit weiblicher Identität im öffentlichen Raum.

Stockholm-Syndrom 1637, 2021
Video: 4:19 min
Die schöne 19-jährige Tochter Elisabetha Brenner des Nürtinger Spitalmeisters wurde im 30-jährigen Krieg von einem kroatischen Soldaten entführt. Sie heiratete ihn und kehrte später mit ihm zurück. Sie gehörten zu den einflussreichsten Bürger*innen im Herzogtum Württemberg. Eine Performance unter dem Torbogen des Kroatenhofs lässt in Form eines Tanzes mit Krawatte (Cravate ist die Bedeutung kroatischer Soldaten) diese Verbindung wiederaufleben.
Die Performance greift eine lokale historische Überlieferung auf und verbindet sie mit Fragen nach Erinnerung, Identität und der Deutung historischer Ereignisse aus heutiger Perspektive.

Tutorial D014, 2020
Video: 4:13 min, ohne Ton
In Tutorial D 014 setzt sich Sissi-Madelaine Schöllhuber mit Schönheitsbildern und der Inszenierung von Identität auseinander. Direkt vor der Kamera trägt die Künstlerin Lippenstift auf, bis das Gesicht zunehmend überzeichnet und verfremdet erscheint. Was zunächst wie ein Beauty-Tutorial wirkt, kippt allmählich ins Groteske und hinterfragt gesellschaftliche Erwartungen an Weiblichkeit und Schönheit.

Seelschminken, 2020
Video: 36:29 min
Schöllhuber schminkt sich in Anlehnung an idealisierte Schminktutorials und überschreibt dabei jede natürliche Unvollkommenheit zugunsten einer konstruierten Perfektion, die sich trotz ihrer Inszenierung niemals als ausreichend erweist. Daraus erwachsen neue fragwürdige Schönheitsideale, deren Ursprung weniger im Äußeren als in tief verankerten psychologischen Mechanismen liegt.
Was wird tatsächlich zu verbergen versucht, wenn das Gesicht zur sichtbaren Projektionsfläche dessen wird, was in den Tiefen des Inneren erwächst?

Death of a candle, 2020
Video: 3:26 min
Hommage an Gerhard Richter
Die Videoarbeit zeigt eine brennende Kerze in ruhiger, konzentrierter Einstellung. In Anlehnung an Gerhard Richters Kerzenbilder wird ein alltäglicher Gegenstand zum Träger von Zeit, Vergänglichkeit und kontemplativer Betrachtung.
Während die Flamme langsam abbrennt, richtet sich die Aufmerksamkeit auf minimale Veränderungen von Licht, Bewegung und Dauer. Die Arbeit übersetzt die stille Präsenz von Richters Malerei in das Medium Video und macht den fortschreitenden Prozess des Vergehens sichtbar.
